Lehrveranstaltung von Hermann Gätje im Wintersemester 2017/2018

Einführungsseminar Editionswissenschaft (mit Nine Miedema)

Germanist(inn)en arbeiten wie selbstverständlich mit literarischen Texten - wie aber werden die Textausgaben, auf die sie sich ebenso selbstverständlich verlassen, eigentlich hergestellt? Geben die Texteditionen literarischer Werke immer denjenigen Text wieder, den die Autorin/der Autor vorgegeben hat, und wenn nicht, wie lassen sich die Eingriffe in die Vorlagen erklären? Welche Aufgaben übernimmt eine Herausgeberin bzw. ein Herausgeber, wenn er/sie eine neue Textausgabe erstellen möchte, und welche unterschiedlichen Möglichkeiten einer angemessenen Präsentation des Textes bieten sich ihm/ihr?

Das Seminar diskutiert verschiedene Editionstypen und bietet dabei ein wissenschaftliches Instrumentarium zur Beschreibung professioneller Editionsmethoden. Behandelt werden u.a. Fragen der Überlieferung, der Bestimmung von Text'fehlern' und der Kommentierung von Texteditionen. Durch Besuche des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux-Elsass sowie der Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken wird außerdem an die Arbeit mit nicht-edierten Originaltexten vom Mittelalter bis zur Moderne herangeführt.

 

Literatur: Zur Anschaffung: Bodo Plachta, Editionswissenschaft. Eine Einführung in Methode und Praxis der Edition neuerer Texte, Stuttgart 2013 (3. Auflage) (Reclams Universal-Bibliothek 17603).

 

Das Seminar findet mittwochs von 10.00 Uhr bis 12.00 c. t. Uhr statt, Beginn: 18. Oktober 2017.

Lehrveranstaltung von Sikander Singh im Wintersemester 2017/2018

Hauptseminar: Goethes Faust-Dichtungen

Am 3. Januar 1830 bemerkte Johann Wolfgang von Goethe gegenüber seinem Vertrauten und Sekretär Johann Peter Eckermann: „Der Faust ist doch ganz etwas Inkommensurables, und alle Versuche, ihn dem Verstand näher zu bringen, sind vergeblich. Auch muß man bedenken, daß der erste Teil aus einem etwas dunkelen Zustand des Individuums hervorgegangen. Aber eben dieses Dunkel reizt die Menschen, und sie mühen sich daran ab, wie an allen unauflösbaren Problemen.“ Die Geschichte des Gelehrten, der strebt und irrt, der liebt und begehrt, der in seiner übergroßen Sehnsucht nach Entgrenzung an die Grenzen des Ich gelangt, der ein Ausnahmemensch, ja ein „Übermensch“ ist, hat seit ihrem Erscheinen sehr unterschiedliche Deutungsansätze und -traditionen hervorgebracht. Bis in die heutige Zeit sind die Fragen, die Goethes „Faust“ diskutiert, gegenwärtig geblieben.

Das Seminar erörtert Aspekte der Stoff- und Entstehungsgeschichte, problematisiert die Vielzahl von Gattungen, Gattungsbezügen und Dichtungsarten, die Goethe in dem Werk verwoben hat, beleuchtet die komplexe strukturelle Konzeption der „Faust“-Dichtungen vor dem Hintergrund dramentheoretischer Erwägungen, untersucht die Vielgestaltigkeit und Polyvalenz der Symbole, Bilder und Metaphern, entwickelt exemplarische Deutungszugänge und diskutiert schließlich verschiedene Ansätze der literaturgeschichtlichen Einordnung.

 

Verbindlich anzuschaffende Textgrundlage der Seminardiskussion:

- Johann Wolfgang Goethe: Faust. Texte und Kommentare. Hrsg. und kommentiert von Albrecht Schöne. Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag 2017 [Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch 52].

Folgende Forschungsarbeiten und Einführungen können zur Vorbereitung und Vertiefung herangezogen werden:

- Nicholas Boyle. Goethe. 2. Bde. München: C. H. Beck 1995–1999.

- Karl Eibl: Das monumentale Ich – Wege zu Goethes „Faust“. Frankfurt am Main und Leipzig: Insel Verlag 2000.

- Goethe Handbuch. Hrsg. von Bernd Witte, Theo Buck und Hans-Dietrich Dahnke. 4 Bde. und Register. Stuttgart: J. B. Metzler 1998 [u. ö.].

- Bernd Hamacher: Einführung in das Werk Johann Wolfgang von Goethes. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2014 [Einführungen Germanistik].

- Jochen Schmidt: Goethes Faust Erster und Zweiter Teil. Grundlagen – Werk – Wirkung. München: C. H. Beck 2011.

 

Das Hauptseminar findet montags von 16.00 bis 18.00 Uhr c. t. statt, es beginnt am 16. Oktober 2017.