Call for Papers: Texte und Kontexte: Theobald Hocks „Schönes Blumenfeldt“ (1601)

 
Arbeitsgespräch

Das literarische Schaffen des 1573 in der Ortschaft Limbach bei Homburg/Saar geborenen und vor 1624 in Böhmen (?) oder im Elsass (?) verstorbenen Dichters Theobald Hock umfasst 92 Gedichte, die im Jahr 1601 in der Sammlung „Schönes Blumenfeldt“ im Druck erschienen sind. Es ist nicht nur die einzige von Hock veröffentlichte Gedichtsammlung, sondern zugleich ein singuläres Zeugnis literarischen Gestaltungswillens in deutscher Sprache im Übergang von Späthumanismus zum Barock, im Spannungsfeld des spätmittelalterlichen Meistersangs, der neulateinischen Dichtung und italienischer Einflüsse.

Seitdem die Literaturgeschichtsschreibung den Dichter und sein Werk in der Folge eines 1845 erschienenen Aufsatzes von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben wiederentdeckt hat, ist seine wechselvolle Lebensgeschichte zwar in großen Zügen erforscht worden, sein Werk hat jedoch im Hinblick auf Einzelinterpretationen und Analysen nur geringe Beachtung gefunden. Vornehmlich wurden seine Gedichte als Dokument einer literarhistorischen Schwellenzeit gewertet, die den prägenden sprach-, stil- und verskünstlerischen Positionen, die Martin Opitz formulierte, voranging und die deshalb an der weiteren Entwicklung der deutschen Lyrik des 17. Jahrhunderts keinen Anteil hatte. Insbesondere sind autopoetische Aussagen im „Schönen Blumenfeldt“ im Hinblick auf Opitz‘ „Buch von der Deutschen Poeterey“ gelesen worden.

Das Arbeitsgespräch lädt vor diesem Hintergrund zu einer Neubewertung der Werke Theobald Hocks ein. Im Zentrum der Beiträge sollen Fragen der Literarizität des „Schönen Blumenfelds“ und seiner Gedichte, Untersuchungen zu Metaphern, Motiven und Emblemata, intertextuellen Kontexten, Bezügen, Einflüssen ideologischen und philosophischen Grundlagen sowie interpretatorische Annäherungen stehen. Arbeiten, die poetologische und ästhetische Positionen in den Blick nehmen, sind ebenso erwünscht wie Studien, die den literaturgeschichtlichen Ort der Werke diskutieren. Nicht zuletzt sind biographische, bibliographische, buchgeschichtliche und editionswissenschaftliche Beiträge willkommen, sofern sie neue, bislang unbekannte bzw. nicht erforschte Aspekte beleuchten.

 

Textüberlieferung

Das einzige dichterische Werk von Theobald Hock erschien unter dem Titel „Schönes Blumenfeldt / Auff jetzigen Allgemeinen gantz betrübten Standt / fürnemmlich aber den Hoff-Practicanten und sonsten menigklichen in seinem Beruff und Wesen zu guttem und besten gestellet: / Durch Othebladen Öckhen von Jchamp Eltzapffern Bermeorgischen Secretarien“. Als Druckort verzeichnet die Ausgabe „Lignitz im Elsas / durch Nickel Schöpffen“, als Erscheinungsjahr 1601 [Exemplar der Bayrischen Staatsbibliothek München].

Von diesem Buch sind fünf Exemplare überliefert. In Deutschland sind zwei Exemplare bekannt: Diese werden von der Bayrischen Staatsbibliothek München (Sign.: Rar. 1857) und der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel (Sign.: A: 125.22 Quod. [3]) verwahrt. Die Staatsbibliothek Berlin führt den Besitz zweier Exemplare an, die jedoch als Kriegsverlust zu verzeichnen sind.

Das Exemplar, das sich in der Breslauer Stadtbibliothek befand, wird heute in der Universitätsbibliothek Breslau verwahrt. Ein weiteres Exemplar befindet sich in der British Library in London sowie eines in der Bibliothek des Prämonstratenserklosters Teplá in Tschechien.

 

Editionsgeschichte

Abgesehen von der Veröffentlichung einzelner Gedichte in der Folge von August Heinrich Hoffmann von Fallerslebens Aufsatz „Theobald Hock. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Literatur“ (Literarhistorisches Taschenbuch. 3. Jg.: 1845. Hrsg. von Robert Eduard Prutz. Hannover 1845, S. 399–442), erschien die erste vollständige Neuausgabe des „Schönen Blumenfelds“ im Jahr 1899. Die Edition beruht auf dem Vergleich der dem Herausgeber Max Koch bekannten Exemplare des Werkes in den Bibliotheken Breslau, Berlin, Wolfenbüttel und München.

Eine kritische Textausgabe erschien unter dem Titel „Schönes Blumenfeld“ im Jahr 1975, herausgegeben von Klaus Hanson (Bonn: Bouvier. Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft. Bd. 194). Die Edition dokumentiert zum einen Hocks Lebensgeschichte und die Überlieferung des Textes, zum anderen bietet sie einen kritischen Text des „Schönen Blumenfeldts“ und ausführliche Anmerkungen.

Eine Leseausgabe wurde unter dem Titel „Schönes Blumenfeld. Ausgewählte Gedichte“ (Saarbrücken: Conte Verlag 2007) veröffentlicht; sie bietet den „Frühneuhochdeutschen Text mit einer Version in moderner Schreibweise“ und wurde von Bernd Philippi und Gerhard Tänzer herausgegeben.

 

Forschungsstand

Die erste Neuausgabe des „Schönen Blumenfeldts“ durch Max Koch regte eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen zu Leben und Werk Theobald Hocks an. Der österreichische Mediävist Max Hermann Jellinek, der die Edition Kochs in einer Rezension bereits kritisch bewertet hatte (Zeitschrift für deutsche Philologie 32 [1900], S. 392), untersucht in seiner Studie „Theobald Hocks Sprache und Heimat“ semantische Strukturen und Reimbindungen in den lyrischen Texten, im Zentrum stehen hierbei dialektale Einflüsse der Herkunft des Dichters und eines möglichen oberpfälzischen Lebensabschnittes (Zeitschrift für deutsche Philologie 33 [1901], S. 84–122). Der Philologe Arthur Hübscher leistet mit seiner Miszelle „Zu Theobald Hock. Biographisches und Textkritisches“ einen Beitrag zu einzelnen Aspekten der Lebensgeschichte des Dichters; zudem zieht er Vergleiche zwischen den in München, Berlin und Breslau überlieferten Exemplaren der Sammlung (Zeitschrift für deutsche Philologie 52 [1927], S. 123–126). Der Jenaer Germanist Albert Leitzmann widmet sich in einer Untersuchung „Zu Theobald Höck“ dem Einfluss Johann Fischarts und den Spuren seiner Dichtungen im „Schönen Blumenfeld“ (Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 51 [1927], S. 195–205). In seinem zweiten Aufsatz hat Max Hermann Jellinek seine textkritischen Untersuchungen zu dem Werk vertieft (Beiträge zur Textkritik und Erklärung des Schönen Blumenfelds. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 69 [1932], S. 209–216).

Die 1937 veröffentlichte Dissertation von Kurt Fleischmann nimmt die damaligen textkritischen Kenntnisse auf und sucht vor diesem Hintergrund den literaturgeschichtlichen Ort Höcks im Barock zu bestimmen (Theobald Höck und das sprachliche Frühbarock. Reichenberg 1937). Demgegenüber ist die Hamburger Dissertation von Karl-Henning Senger aus dem Jahr 1939 als reiner Forschungsbericht angelegt, der sämtliche, in seiner Zeit bekannt gewordenen Ergebnisse über Leben und Werk zusammenstellt (Theobald Höck, der Dichter des „Schönen Blumenfeldes“. [Diss. masch. Hamburg 1939]). Schließlich bietet Brunhilde Vetters Wiener Dissertation eine interpretatorische Annäherung an die Gedichte des „Schönen Blumenfeldts“ in Gestalt eines Stellenkommentars (Studien zum lyrischen Werk Theobald Hocks. [Diss. masch. Wien 1952]). Die jüngste und einzige Arbeit, die das Werk Hocks im Hinblick auf Fragen der Poetik befragt und zu grundlegenden Ergebnissen kommt, stammt von dem Braunschweiger Germanisten Eckehard Czucka (Poetologische Metaphern und poetologischer Diskurs. Zu Theobald Höcks „Von Art der deutschen Poeterey“ [1601]. In: Neophilologus 71 [1987], S. 1–23).

Für den Bereich der Lebensgeschichte liefert der Prager Germanist Arnošt Kraus die erste umfangreiche Studie (Theobald Höck. Prag 1936 [Abhandlungen der tschechischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Abteilung 1935,3]). Zwei Jahre nach ihrem Erscheinen werden die Ergebnisse von Kraus durch eine bio-bibliographische Arbeit von Walter Brauer ergänzt; der Beitrag enthält eine vollständige Bibliographie der gedruckten Werke Hocks, seiner Briefe und der von ihm ausgefertigten Akten sowie der über Leben und Werk verfassten Studien (Theobald Hock. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 63 [1938], S. 254–284).

Diese grundlegenden positivistischen Arbeiten finden eine Fortsetzung zum einen in Wilhelm Kühlmanns Miszelle zu „Theobald Hock als ‚Commissarius‘ Ernst von Mansfelds am Oberrhein (1621/22)“ (Wolfenbütteler Barock-Nachrichten 8 [1981], H.1, S. 189), zum anderen in Václav Boks Studie über „Die Bibliotheken von Theobald und Hans Höck von Zweibrücken nach einem Inventar von 1618“ (Buchwesen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Helmut Claus zum 75. Geburtstag. Hrsg. von Ulman Weiß. Epfendorf/Neckar 2008, S. 341–356).

 

Termin und Organisatorisches

Das Arbeitsgespräch, das am 1. und 2. März 2018 in Saarbrücken stattfindet, wird von Professor Dr. Ralf Georg Bogner (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Philologie und Literaturwissenschaft der Universität des Saarlandes) und Professor Dr. Sikander Singh (Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass der Universität des Saarlandes) ausgerichtet.

Themenvorschläge in Form eines Entwurfs im Umfang von maximal 1500 Zeichen erbitten wir mit einer kurzen wissenschaftlichen Biografie bis zum 31. Mai 2017 an Professor Dr. Ralf Georg Bogner [r.bogner(via)mx.uni-saarland.de] und Professor Dr. Sikander Singh [s.singh(via)sulb.uni-saarland.de].

Die Auswahl der Vorträge erfolgt im Juni 2017. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.