10 „eine glücklich geendigte Verhandlung“

  • 10 „eine glücklich geendigte Verhandlung“

Johann Wolfgang von Goethe: Gedrucktes und handschriftlich ausgefülltes Dokument mit eigenhändiger Unterschrift, datiert: Weimar, 8. Juni.

Ausgestellt ist eine sogenannte „Zubußen-Quittung“ zur Kuxe des Ilmenauer Bergwerks: „Ein neuer Louisdʼor oder Vier Laubthaler sind wegen des Ilmenauer Kuxes oder Bergtheils No. 75. zu dem in der Vierten Bergwerksnachricht am 24sten Februar d. J. ausgeschriebenen gewerkschaftlichen Nachtrage baar entrichtet worden, worüber hierdurch quittiert wird. Weimar, den 8. Junii 1791. Sr. Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen-Weimar und Eisenach gnädigst verordnete Bergwerks-Commission [...]“ Unterzeichnet von Goethe und seinem Ministerkollegen und Mitarbeiter in der Direktion des Ilmenauer Bergbaus Christian Gottlob von Voigt (1743 bis 1819).

Ein Kux bezeichnet den Anteil an einem Bergwerk, das als bergrechtliche Gewerkschaft betrieben wird. Ursprünglich waren Kuxe Bodenrechte an einem Bergwerk und wurden in einem Berggrundbuch eingetragen. Später ging man dazu über, Kuxe wie Inhaberaktien frei handelbar zu gestalten. Die Inhaber von Kuxen waren zur Zubuße verpflichtet, wenn die Gewerkschaft Kapital benötigte.

Goethe gründete 1784 eine Bergwerkskommission und die Gewerkschaft des Ilmenauer Kupfer- und Silberbergwerks legte 1000 Kuxe zu je 20 Talern auf, die bei der Platzierung mit 10 Talern anbezahlt und mit zwei Zuzahlungen von 1785 und 1786 ausbezahlt wurden. Mangelnde Ausbeute machte die Zahlung hoher Zubußen (zu denen die Inhaber der Kuxe verpflichtet waren) erforderlich.

Bis zur Förderung der ersten Tonne Kupferschiefer im September 1792 verhinderten allerdings wiederholte Wassereinbrüche die Arbeiten im Schacht. Am 22. Oktober 1796 ereignete sich ein neuer Wassereinbruch, ein Teil des Entwässerungsstollens war gebrochen, so dass das Grubenwasser im Schacht aufstieg. Es dauerte eineinhalb Jahre bis zur Beseitigung dieses Stollenbruchs. In dieser Zeit ließ der Großteil der noch verbliebenen Gewerken seine Geschäftsanteile (Kuxe) verfallen, für einen Fortbetrieb reichte das Geld der verbliebenen Gewerkschaft nicht aus. 1814 wurden die Schächte verfüllt, der Betrieb endgültig aufgegeben. Die Gesamtkosten des Unternehmens beliefen sich auf rund 76.000 Taler, nachdem zu Beginn lediglich 20.000 Taler veranschlagt waren.

Die Ilmenauer Kuxen und ihre Zubußen-Quittungen gehören zu den frühesten und bedeutendsten Wertpapieren des deutschen Bergbaus.