Lehrveranstaltung von Hermann Gätje im Sommersemester 2020

Heimat und Identität in aktuellen Romanen

Das Wort „Identität“ wird in den gegenwärtigen politischen Diskussionen häufig und bisweilen plakativ verwendet. Dabei handelt es sich um einen abstrakten Begriff, der zahlreiche Bedeutungsnuancen hat sowie in differenten Modi gebraucht und verstanden wird. Von diesem Diskurs ist auch die aktuelle deutsche Literatur maßgeblich geprägt. Es ist auffällig, dass kürzlich einige vielbeachtete Romane erschienen sind, denen trotz aller Unterschiede in Perspektive, Inhalt und Form gemeinsam ist, dass in ihrem Zentrum die Frage nach Identität, Herkunft und Heimat steht. Das Proseminar behandelt einige dieser Texte, im Fokus stehen dabei die aktuellen Bücher von Raphaela Edelbauer und Saša Stanišić. Ergänzend sollen einige die öffentliche Diskussion prägende theoretische Ansätze herangezogen werden, u. a. von Isolde Charim, Francis Fukuyama, Andreas Reckwitz oder Jürgen Habermas.

Das Proseminar findet montags von 14.00 bis 16.00 Uhr c. t. statt, es beginnt am 4. Mai 2020.

Zentrale Primärtexte:

- Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land. Stuttgart: Klett-Cotta 2019.

- Saša Stanišić: Herkunft. München: Luchterhand 2019.

Weitere Primärtexte (mögliche Basistexte für Hausarbeiten):

- Christian Baron: Ein Mann seiner Klasse. Berlin: Claassen 2020.

- Birgit Birnbacher: Ich an meiner Seite. Wien: Zsolnay 2020.

- Marina Frenk: ewig her und gar nicht wahr. Berlin: Wagenbach 2020.

- Valerie Fritsch: Herzklappen von Johnson & Johnson. Berlin: Suhrkamp 2020.

- Verena Güntner: Power. Köln: Dumont 2020.

- Reinhard Kaiser-Mühlecker: Enteignung. Frankfurt am Main: S. Fischer 2019.

- Karen Köhler: Miroloi. München: Hanser 2019.

- Katerina Poladjan: Hier sind Löwen. Frankfurt am Main: S. Fischer 2019.

- Ingo Schulze: Die rechtschaffenen Mörder. Frankfurt am Main: S. Fischer 2020.

- Ulrich Woelk: Der Sommer meiner Mutter. München: C. H. Beck 2019.

Texte zur Diskussion um „Identität“:

- Isolde Charim: Ich und die Anderen. Wie die neue Pluralisierung uns alle verändert. Wien: Zsolnay 2018.

- Francis Fukuyama: Identität. Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet. Hamburg: Hoffmann und Campe 2019.

- Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen. Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne. Berlin: Suhrkamp 2019 [edition suhrkamp 2735].

Lehrveranstaltung von Sikander Singh im Sommersemester 2020

Annette von Droste-Hülshoff

Die erzählerischen und dichterischen Werke der Annette von Droste-Hülshoff (1797 bis 1848) haben bei ihren Zeitgenossen keine oder nur geringe Anerkennung gefunden. Erst die Nachwelt vermochte die Komplexität und Vielschichtigkeit des Schaffens der westfälischen Autorin zu würdigen: Im Spannungsfeld romantischer und realistischer Einflüsse, im Widerstreit mit den tradierten Konventionen der adeligen Welt und den Werten ihrer katholischen Familie thematisieren ihre Prosatexte und Gedichte die politischen und sozialen Veränderungen, vor allem aber die (literatur-)ästhetischen und geistesgeschichtlichen Umbrüche der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Das Seminar erörtert neben den Novellen „Die Judenbuche“ und „Ledwina“ eine Auswahl von Balladen und lyrischen Gedichten, entwickelt exemplarische Deutungszugänge und diskutiert verschiedene Ansätze der Einordnung in den Diskurs der Literatur ihrer Zeit. Weil das Dunkle und Rätselhafte ihrer Balladen und Prosaerzählungen in der literaturwissenschaftlichen Forschung zum Teil sehr kontroverse Deutungen hervorgebracht hat, werden zudem Untersuchungen und Interpretationen der vergangenen Jahrzehnte Gegenstand der Seminardiskussion sein.

Das Hauptseminar findet dienstags von 14.00 bis 16.00 Uhr statt, es beginnt am 5. Mai 2020.

Folgende Werke, die Gegenstand der Seminardiskussion sein werden, sind bereits während der Vorlesungsfreien Zeit zu lesen. Die Seminarlektüren sind sowohl im Buchhandel als auch auf dem antiquarischen Markt in unterschiedlichen Ausgaben greifbar.

- Annette von Droste-Hülshoff: Werke in einem Band. Herausgegeben von Clemens Heselhaus. München: Carl Hanser 1984.

- Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche. Studienausgabe. Herausgegeben von Bernd Kortländer. Stuttgart: Philipp Reclam 2016 [Reclams Universal-Bibliothek. Bd. 19414].

Über die Autorin und ihre Lebensgeschichte können Sie sich in Vorbereitung des Seminars in folgendem Werken informieren:

- Barbara Beuys: „Blamieren mag ich mich nicht“ Das Leben der Annette von Droste-Hülshoff. Frankfurt am Main und Leipzig: Insel 2009.

- Herbert Kraft: Annette von Droste-Hülshoff. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2016.

Einen Überblick über Perspektiven und Probleme der literaturwissenschaftlichen Forschung können Sie sich in Vorbereitung des Seminars mit folgendem Werken erarbeiten:

- Annette von Droste-Hülshoff Handbuch. Herausgegeben von Cornelia Blasberg und Jochen Grywatsch. Berlin und Boston/MA: De Gruyter 2018.

- Ulrich Gaier und Sabine Gross: Herausforderung der Literaturwissenschaft: Droste-Hülshoffs „Judenbuche“. Stuttgart: J. B. Metzler 2018.