12 Ende der Utopie: Gustav Regler

  • 12 Ende der Utopie: Gustav Regler

Gustav Regler wurde zu Kriegsbeginn 1939 von der Französischen Republik als feindlicher Ausländer im Lager Le Vernet in den Pyrenäen interniert. Der Kriegsbeginn mit dem Hitler-Stalin-Pakt stellt für ihn eine moralisch erschütternde Lebenserfahrung dar. In seinen Schriften spiegelt sich daher weniger die unmittelbare Ablösung vom Kommunismus, vielmehr zeigt sich die fortschreitende Entfremdung von der Kommunistischen Partei. Exemplarisch werden die widersprüchlichen Verhaltensweisen im Zuge eines solchen Prozesses dargestellt, in dem Kräfte der Beharrung und der Ablösung gleichermaßen wirken. In dem französischen Internierungslager kam es zu ersten offenen Differenzen mit kommunistischen Funktionären, die Regler später Verrat vorwarfen, auch aufgrund seiner vorläufigen Freilassung im Frühjahr 1940. Seine Lebensgefährtin Marie Luise Vogeler (1901 bis 1945) hatte sich aufopferungsvoll um seine Entlassung bemüht. Unter anderem hat sie sich unter Vermittlung des Schriftstellers Pablo Neruda (1904 bis 1973) um Exil in Chile bemüht, was ein auf den 22. Januar 1940 datierter Brief an den chilenischen Botschafter in Frankreich dokumentiert.